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Hofgärtner Hermann Sello


Potsdam
Hermann Sello 1848 (Degas)

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Erich Sello

Portrait Erich Sello
Portrait Erich Sello
(Familienbesitz)
Erich Emil Ludwig Eduard Sello wurde in Potsdam am 29.2.1852 als zweiter Sohn von Emil Ludwig Walter Sello und Johanna Sello geb. Kahlbau geboren, besuchte das Gymnasium in Pots­dam, nahm 1870 an der Universität in Jena das Studium der Geschichte und Philosophie auf, diente im Kriege 1870/1871 als Soldat, setzte sein Studium an der Universität in Jena 1871 und 1872 fort, wechselte an die Universität in Berlin, stu­dierte nunmehr Rechts­wissen­schaft und schloss seine rechtswissenschaftliche Ausbildung 1878 mit der zweiten juristischen Staatsprüfung ab, nachdem er bereits 1874 den Dr. jur. erwor­ben hatte. Nach kurzer Tätigkeit als Staatsanwaltsassessor ließ er sich in Berlin 1879 als Rechtsanwalt nieder und war seither im wesentlichen im Bereich des Strafrechts tätig, vor allem als Strafverteidiger. Er trat vielfach in Sensationsprozessen auf; so wurde ihm im Neustettiner Synagogenbrand-Prozess (1883) die Strafverteidigung übertragen, er übernahm die Verteidigung im Strafverfahren gegen den Bankier August Sternberg, in dem es um eine Sitt­lich­keits­straftat ging (1900), und er vertrat den Berliner Stadtkommandanten Graf Kuno v. Moltke in einem pikanten Beleidigungsprozess gegen den Zeitungsverleger Maxi­milian Harden, der jenen öffent­lich der Homosexualität bezich­tigt hatte (1907/1909). Erich Sello tat alles das stets kom­petent und engagiert. Er war von forensischer Beredsamkeit, die ihn manchmal so ergriff, dass er über seine Ausführungen vor Rührung weinte. Die Zeitschrift "Ulk" brachte in diesem Zusammenhang 1908 in der Nr. vier die Karikatur "Der weinen­de Sello". Im Stern­berg­prozess forderte er den Vertreter der Staatsanwaltschaft wegen Beleidigung zum Duell. Da Duelle ver­boten waren, wurde er zu Festungshaft verurteilt und musste diese Strafe auch verbüßen. Sein Werk "Die Irrtümer der Straf­justiz und ihre Ursachen" (1911), das er nicht vollenden konnte, gehört zu den grundlegenden Untersuchungen im Rahmen der Fehl­urteils­forschung. Von 1881 bis 1884 saß Erich Sello als Abgeordneter der Liberalen Vereinigung im Reichstag. Er war Lite­raturliebhaber und -kenner und verfasste Gedichte, die in den Sammlungen "Ein später Strauß" (1904) und "Erntetag" (1910) veröffentlicht wurden. Erich Sello verstarb am 9.12.1912 in Berlin.
Karikatur "Der weinende Sello"
Karikatur "Der weinende Sello" aus der Zeitschrift "Ulk", 1908 Nr. 4.
(Familienbesitz)

 

Erntetag - Gedichte von Erich Sello
Erntetag - Gedichte von Erich Sello
(Familienbesitz)
Im Jahre 2001 gab der Gerd Hofmann Verlag einen leicht bearbeiteten Nachdruck seines bis heute grundlegendes Werkes heraus: Die Irrtümer der Strafjustiz und ihre Ursachen. Geschichte der Justizmorde von 1797-1911; Schifferstadt. Es ist die berühmteste deutschsprachige Darstellung von Justizirrtümern; Sello untersucht nicht nur Fälle in Deutschland, sondern in vielen europäischen Ländern und in den USA. In einer Rezension heißt es: "In Sellos Buch einigt sich das Talent des Dichters mit dem Wissen des Rechtsgelehrten und den Erfahrungen des Praktikers."

Sein Talent als Dichter und Literaturkenner bezeugen auch seine beiden Gedichtbände: 1904 erschien "Ein später Strauß"; den Band: "Erntetag", Gedichte von Erich Sello, Berlin-Charlottenburg 1910, widmete er Friedrich Spielhagen "in Liebe und Dankbarkeit". -Spielhagen (1829-1911) war u. a. Autor zahlreicher Romane und sozialkritisch eingestellt.

 

Quellen und Literatur:

  • Familienpapiere und Briefe, Privatbesitz;
  • E. Sello, Ein später Strauß, Berlin 1904;
  • E. Sello, Erntetag, Berlin 1910;
  • Hofmann, Gerd, Der Prozess um den Brand der Synagoge in Neustettin, Schifferstadt, 1998, Gerd Hofmann Verlag, Schifferstadt: www. gehove.de;


letzte Änderung 10.11.2013 09:41 CET
durch sello-webteam